Geschichte des Salberghauses

"Die Geschichte des Salberghaus spiegelt auch die bewegte Geschichte der Heime für Säuglinge und Kleinstkinder wieder. Während das Heim lange Zeit der Aufnahme überwiegend elternloser Säuglinge und Kleinstkinder diente, hat sich dieses klassische Säuglingsheim der 60er Jahre in eine qualifizierte therapeutische Einrichtung gewandelt. Es ist das einzige Heim dieser Art in Bayern."

(Barbara Stamm, ehemalige Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familien, Frauen und Gesundheit)
 

Chronik des Salberghauses
 
1914
Der Verein "Liebes- und Sühnewerk des heiligsten Herzens Jesu" wurde in München gegründet. Den Vorsitz des Vereins übernahm der Stiftskaplan und spätere Erzbischof von Stockholm, Johannes Erik Müller. Dem Ausschuß des Vereins gehörte auch die Witwe des 1911 verstorbenen Johann August Salberg an. In der großen Notzeit des ersten Weltkrieges fasste Maria Salberg den Gedanken, ein Findelhaus für Säuglinge zu errichten.

1918
Der Verein konnte mit Hilfe der Finanzmittel Maria Salbergs in Unterhaching ein Grundstück erwerben. Sie verstarb jedoch im Dezember 1919. Der Verein wechselte daraufhin seine Vorstandschaft und der Plan, ein Findelhaus zu bauen, wurde nicht mehr weiterverfolgt.
Maria Salberg
1922

24. März
Um die Betreuung der Säuglinge sicherzustellen wurde ein Vertrag mit der Kongregation der St. Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen geschlossen.

16. Mai
Der Antrag auf staatsaufsichtliche Genehmigung wurde beim Bezirksamt München gestellt. Die am 29. September erteilte Genehmigung schrieb u.a. auch eine Mütterstation vor. Da die Errichtung nicht im Sinne der Gründer war und sich die zur Verfügung stehenden Räume nicht dazu eigneten, wurde ein Antrag gestellt, die Errichtung der Mütterstation bis auf weiteres zu verschieben.

16. Juni
Die ersten drei Franziskusschwestern zogen ein. Zur Eröffnung bestand das Personal dann aus 5 Ordensschwestern, einer Hausangestellten und dem Hausmeister.

5. Juli
Eröffnung des "Findelhaus Kinderheimat Unterhaching".

30. Juli
An diesem Tag wurde das erste Kind aufgenommen. Das 21 Monate alte Mädchen blieb 6 Wochen. Dann ging es Schlag auf Schlag: Bereits am 8. August wurden vier weitere Kinder aufgenommen, das jüngste 14 Tage alt. Bis Jahresende waren es insgesamt 44 Kinder . Die Ernährung der jungen und schwachen Säuglinge erfolgte durch Ammen, die von der Frauenklinik München gestellt wurden.
Da die Eröffnung des Heimes in die Zeit der Inflation fiel, veränderten sich die Verpflegungssätze rapide: im August lag der Satz bei 40 Papiermark (PM) und erhöhte sich auf 400 PM zum Jahresende.
Säuglingsheim Unterhaching
auf der Wiese
 1923
 Die Mütterstation wurde errichtet. Ob jemals mehr als eine stillende Mutter aufgenommen wurde, ist aus den vorhandenen Unterlagen nicht ersichtlich.
Um den Auflagen des Bezirksamts zur Beschäftigung von mehr Säuglingsschwestern Rechnung zu tragen und weil das Mutterhaus nicht mehr ausgebildete Schwestern zur Verfügung stellen konnte, wurde eine Pflegeschule eingerichtet. Mitte August begannen zehn junge Schülerinnen die einjährige Ausbildung. Sie wurden von den Ordensschwestern und den betreuenden Ärzten des Säuglingsheimes unterrichtet. Das Bezirksamt verfügte im November 1923, dass jeder Schülerin gegen Unterschrift zu eröffnen sei, dass die Lehrzeit nicht zur Ablegung der staatlichen Prüfung berechtigte. Trotzdem gab es bis Oktober 1940 Schülerinnen im Säuglingsheim Unterhaching.
Der Pflegesatz stieg weiter und lag am 22. Oktober bei über 2 Milliarden PM. Nach der Stabilisierung der Währung wurde er mit 70 Pfennig festgelegt.
Die Nachfrage nach Plätzen stieg in den folgenden Jahren (1923: 48 Aufnahmen; 1924: 69 Aufnahmen; 1925: 75 Aufnahmen).
1925
Das Findelhaus wurde durch einen Anbau erweitert und das Anwesen auf insgesamt 17 Tagwerk vergrößert, so dass es bis zu 100 Säuglingen Unterkunft bot.
Schwesternkongregation
1. Januar 1926
 Die "Kinderheimat" wurde in "Säuglingsheim Unterhaching, Pflegestätte für obsorgebedürftige Säuglinge" umbenannt.
In den folgenden Jahrzehnten wurden jedes Jahr zwischen 100 und 150 Säuglinge aufgenommen. Die Jahre kurz vor dem 2. Weltkrieg heben sich jedoch deutlich davon ab (1936: 234 Aufnahmen; 1937: 199 Aufnahmen; 1938: 234 Aufnahmen.
Kinder, die an ansteckenden Krankheiten litten, wurden nicht aufgenommen. Kinder, die während des Heimaufenthaltes an solchen erkrankten, blieben dort in Pflege; für diese war ein Quarantäneraum mit 10 Isolierboxen vorgesehen.
Besonderer Wert wurde auf die Hygiene gelegt. "Das gesundheitliche Interesse der Kinder geht allem vor." Deshalb durften Besucher, im allgemeinen Eltern, die Pflegeräume nicht betreten. Sie wurden gebeten nicht in zu engen Kontakt mit den Kindern zu treten. Diese, aus heutiger Sicht den Bedürfnissen der Kinder unzuträglichen Vorschriften werden verständlich, wenn man bedenkt, dass jährlich einige Säuglinge an Grippe oder Lungenentzündung verstarben.
Die Kinder konnten in der Regel bis zum zweiten Geburtstag bleiben. Viele wurden nach Hause entlassen oder gingen auf sogenannte Kostplätze.
Die Versorgung wurde durch eigene Landwirtschaft sichergestellt. Zum "Gründungskapital" gehören 13, von amerikanischen Freunden gestiftete, Milchkühe. Aber auch Schafe, Schweine und Geflügel wurden gehalten. Auf den Feldern und im Gemüsegarten wurden Getreide, Kartoffeln und Gemüse angebaut.
1930
wurde der Pflegesatz schrittweise auf 2,40 Reichsmark (RM) erhöht. Wegen der "katastrophalen Finanzlage der Stadtgemeinde München", so ein Schreiben des Bezirksfürsorgeverbands München, wurde der Satz auf 2 RM gesenkt. Dieser blieb die folgenden Jahre unverändert und wurde erstmals wieder im Jahr 1947 auf 2,50 Mark erhöht; 1966 lag er erstmals über 10 DM.
Vier Jahrzehnte lang tat das Säuglingsheim Unterhaching seinen Dienst und konnte viel Not lindern und Hilfe leisten.
Bei einer Heimbesichtigung durch die Regierung von Oberbayern (Heimaufsicht) im Jahre 1966 wurde bescheinigt, dass das Heim "unter der ausgezeichneten Leitung von Frau Oberin Sr. Venantia und der aufopfernden Mitarbeit erfahrener Fachkräfte gut geführt" wurde; "die Säuglinge befanden sich in gutem Pflege- und Ernährungszustand; sie hatten durchwegs eine frische Gesichtsfarbe". Wegen der wenigen Personalveränderungen, "können die durch den Wechsel der Betreuungspersonen verursachten Entwicklungsschäden vermieden werden". "Die heitere Gesamtatmosphäre bietet Gewähr für die gesunde Entwicklung der Säuglinge". Gelobt wurde überdies die geplante Einschaltung einer Psychologin zur Beratung und Unterrichtung der Fachkräfte.
Die Räumlichkeiten entsprachen aber nicht mehr den Vorstellungen und Erkenntnissen über die Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern. Zudem war das Säuglingsheim stark überbelegt (ständig 140-150 Säuglinge), es konnte den Anforderungen trotz allen guten Willens nicht mehr gerecht werden.
Ein Umbau und eine Erweiterung des Säuglingsheims in Unterhaching war nicht zu vertreten; zudem lag das Säuglingsheim in direkter Verlängerung der Startbahn des Flughafens Neubiberg.
 
Im Februar 1964 stand schließlich fest, dass in Unterhaching nicht neu gebaut wird. Das Grundstück wurde verkauft. Die Katholische Jugendfürsorge erwarb in der Gemeinde Putzbrunn das jetzige Grundstück. In 1-jähriger Bauzeit, 1966/67, entstand das neue Säuglingsheim. Zum dankbaren Gedenken an die Familie Salberg trägt es den Namen "Salberg-Haus".
Das neue Säuglingsheim war in einem dreistöckigen Bau untergebracht, mit drei Krabbelstationen im Erdgeschoss und je sechs Säuglingsstationen auf drei Stockwerken. Es bot insgesamt 210 Kindern Platz.
Eine Krabbelstation bestand aus Tages-, Schlaf- und Pflegeraum mit insgesamt ca. 75 qm; jedes Säuglingszimmer hatte knapp 40 qm sowie einen geräumigen Balkon.
 
auf der Wiese
1967
Am 27. November 1967 zogen über 100 kleine Kinder von Unterhaching nach Putzbrunn um.
An den Aufnahmezahlen der folgenden Jahre wird deutlich, dass die Erweiterung einem dringenden Bedarf entsprach. 1968 wurden 250 Kinder aufgenommen und in den folgenden Jahren jeweils um die 200.
neues Salberghaus
1970
Im Bescheid der Heimaufsicht zur Befreiung von der Verpflichtung zur Einholung der Einzelerlaubnis wurde festgehalten, dass "regelmäßig 200 gesunde Säuglinge und Kleinstkinder bis zu 3 Jahren, in Ausnahmefällen bis zu 4 Jahren Aufnahme finden, die in Gruppen von je zehn Säuglingen bzw. zwölf Kleinstkindern betreut werden".

1972
In diesem Jahr waren in 14 Gruppen immer zwischen 150 und 160 Kinder im Haus. Jede Gruppe hatte je eine Ordensschwester als Gruppenleitung. Insgesamt gab es 72 Mitarbeiter; der Pflegesatz stieg auf 20,20 DM.
Es war oft nicht leicht, noch Platz zu finden, aber Kinder abzuweisen war undenkbar. Oft standen zukünftige Adoptions- und Pflegeeltern ohne Voranmeldung vor der Tür, mit einem Schreiben vom Jugendamt, auf dem sinngemäß stand, dass sie berechtigt seien, ein bestimmtes Kind anzuschauen und gleich mitzunehmen. Die Erkenntnis, dass eine Anbahnungszeit zum gegenseitigen Kennenlernen zum Wohle aller notwendig ist, konnte nur mühsam durchgesetzt werden.

Seit August 1974 stand das Salberghaus offiziell für Sofortaufnahmen zur Verfügung.

1975
Das Salberghaus wurde ein entwicklungstherapeutisches Heim für Klein- und Kleinstkinder mit dem Behandlungsschwerpunkt psychosomatischer Störungen im Kleinkindalter.
Zwei Gründe waren für die Neukonzipierung ausschlaggebend: Im bayerischen Heimdifferenzierungsprogramm von 1974 wurden Säuglingsheime nicht mehr aufgeführt; zudem ging die Einweisung von Säuglingen zurück.
Das von Pater Dr. Franz Dietl ausgearbeitete Konzept ist bis heute richtungsweisend. Die Zahl der Gruppen und der Kinder in den Gruppen verringerte sich deutlich; die Mitarbeiterzahl stieg an (einschließlich gruppenergänzender Fachdienste). Der Pflegesatz erhöhte sich.
Die neue Zielsetzung des Hauses machte bauliche Änderungen notwendig. Es galt, den Charakter eines Säuglingsheimes abzubauen und ihn durch entsprechende Wohneinheiten für Kleingruppen zu ersetzen. Außerdem wurde ein Trakt angebaut für Angebote außerhalb des Gruppenbereiches, wie Planschraum, Sandraum im Haus, Malraum, Turnraum mit Trampolin, und Spiel- und Behandlungsräume für Kinderarzt, Heilpädagogen und Krankengymnasten.

1980
Alle Baumaßnahmen waren vollendet. Das Salberghaus hatte jetzt Platz für 80 Kinder, die in 12 altersgemischten Wohngruppen lebten. Nun bestand auch die Möglichkeit, Adoptiv/Pflegeeltern während der Anbahnungszeit im Salberghaus wohnen zu lassen.
Gruppenraum
1989
 Eröffnung einer Heilpädagogischen Tagesstättengruppe: Neben der Erweiterung des Angebotes für die Region sollte auch ein Nachsorgeangebot nach einer Rückführung aus dem Heimbereich geschaffen werden. Probleme der Kinder und der Eltern, unter gänzlich anderen Vorbedingungen nach der Heimentlassung dieselbe Einrichtung weiterhin zu besuchen und zu lange Fahrstrecken, erwiesen sich in der Realisierung dieser Idee als hinderlich. Deshalb wird die Tagesstätte von Kindern aus einem Umkreis von ca. 10 km besucht, die von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Verbindung zum Heimbereich besitzen.
Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Gruppen geschlossen (Kinder- oder Mitarbeitermangel) oder wieder eröffnet.
1992
Erweiterung der Tagesstätte auf 2 Gruppen

1993
Eröffnung der familienorientierten Außenwohngruppe
Eröffnung der Inobhutnahme/Notaufnahmegruppe

2000
Eröffnung einer heilpädagogischen 5-Tage-Gruppe für Kinder im Alter von 4-10 Jahren
Das Salberghaus ist jetzt nach den fortlaufenden Veränderungen eine moderne Jugendhilfeeinrichtung, ein therapeutisches Zentrum zur Entwicklungsförderung, vor allem für das Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter.
Salberghaus nach Umbau
2002
 Beginn umfangreicher Umbau- und Sanierungsarbeiten.
Um unseren Kindern angemessene Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten anbieten zu können, war es notwendig, die Raumstrukturen der Wohngruppen heutigen Ansprüchen an eine therapeutische Einrichtung anzupassen. Zusätzlich konnten dadurch Anforderungen der Heimaufsicht und des Brandschutzes erfüllt werden
Kinderkrippe Sonnenwelt
2003
 Übernahme der Betriebsträgerschaft der städtischen Kinderkrippe „Sonnenwelt" in der Lindwurmstraße 116 in München mit 36 Plätzen.
2004
Abschluss der Umbauarbeiten und Einweihung des „neuen Salberghaus".
Es entstanden in sich geschlossene Wohneinheiten mit neuen Möglichkeiten auch in Bezug auf das inhaltliche Arbeiten.
neu gestalteter Gruppenraum
2006
Mit der „Pädagogischen Familienhilfe" entsteht ein ambulanter Bereich, der Nachbetreuung, Eltern-Kind-Interaktionsförderung und ambulante Hilfen für Familien ermöglicht.
Auflösung der familienorientierten Außenwohngruppe 

2007
Eröffnung einer 2-gruppigen Kinderkrippe im Salberghaus in kommunaler Trägerschaft für die Gemeinde Putzbrunn.

2008
Der Bereich der „Pädagogischen Familienhilfe" wird ausgebaut, u.a. durch das Angebot der „Frühen Hilfen" in der Sozialregion Ramersdorf/Perlach.
Gartengestaltung in der Kinderkrippe an der Lenbachallee
2009
Eröffnung der 4-gruppigen Kooperationseinrichtung in Riem, Magdalena-Schwarz-Str. 9
Eröffnung der 4-gruppigen Kinderkrippe Ottobrunn, Putzbrunner Str. 110a
Erweiterung der Notaufnahme für Kinder bis 4 Jahre im Rahmen von Bereitschaftspflegefamilien
2012
Umfassende Sanierung des "Therapiegebäudes"mit Aufstockung um eine Etage zur Erweiterung des stationären Wohngruppenbereichs.
 2014
Abschluss der Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen des "Therapiegebäudes". Umzug einer Wohngruppe in die neuen Räumlichkeiten
Eröffnung einer Kindergartengruppe mit 19 Plätzen für die Kommune Putzbrunn.
Aus der "Kinderkrippe Salberghaus" wird die "Kindertagesstätte Salberghaus".
   
In der Kita
2015
Erweiterung der Vorschul-HPT um eine dritte Gruppe
Das Team der "Pädagogischen Familienhilfe" wird durch eine Familienhebamme ergänzt.

2016
Eröffnung einer zweiten Notaufnahmegruppe

2017
Umwandlung der Gruppe "Luftballons" von einer 5-Tage-Gruppe in eine therapeutische Wohngruppe für Kinder von 4 - 10 Jahren

2018
Erweiterung der Vorschul-HPT um eine vierte Gruppe

2019
Die Kinderkrippe St. Bernadette in München Bogenhausen wird Teil des Bereiches Kindertageseinrichtungen Salberghauses.
Das Team der Ambulanten Erziehungshilfen Landkreis München wird Teil der Pädagogsischen Familienhilfe Salberghaus.