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14.08.2026 - Psychologischer Fachdienst: „Beziehungsaufbau steht im Vordergrund“


Im Salberghaus in Putzbrunn werden Kinder von null bis sieben Jahren in Wohngruppen, Inobhutnahmegruppen und einer Heilpädagogischen Tagesstätte umfassend pädagogisch und therapeutisch betreut. Dazu gehört auch die Unterstützung durch verschiedene Fachdienste – wie zum Beispiel den psychologischen Fachdienst. Was darunter genau zu verstehen ist, erklärt Teamleiterin und Psychologin Sarah Güthler.
Welche Aufgaben hat der psychologische Fachdienst?
Der psychologische Fachdienst hat ein sehr vielfältiges Aufgabenfeld. Es geht einfach um die psychologische Begleitung der Kinder und des ganzen Umfeldes hier. Wir schauen uns diagnostisch die kognitiven Fähigkeiten des Kindes an sowie ihren dissozialen-emotionalen Status. Wir machen eine Fallberatung der Wohngruppen in der Erziehungsplanung oder bei Auffälligkeiten von Kindern. Ein wichtiger Baustein ist danach die Therapieplanung. Da überlegen wir auf Basis der Diagnostik und der im Alltag erlebten Defizite, wie wir die Kinder bestmöglich fördern können.

In diesem Zusammenhang koordinieren wir auch andere Therapieformen wie zum Beispiel Ergotherapie oder Logopädie. Darüber hinaus bieten wir Spieltherapie beziehungsweise psychologisch begleitete Spielstunden an, bei denen Kindern die Möglichkeit gegeben wird, Emotionen oder Themen, die sie beschäftigen, zu bearbeiten und zu lernen, eine gesunde und vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Außerdem gehört zu unseren Aufgaben die Elternarbeit, die Planung der schulischen Perspektive und die Begleitung von Verlegungsprozessen.

Wann werden Sie hinzugezogen?
Da muss man zwischen den Inobhutnahmegruppen und den therapeutischen Wohngruppen bei uns im Salberghaus unterscheiden. Bei den Inobhutnahmegruppen gibt es einen Clearing-Prozess, der einen sehr hohen Stellenwert hat. Da sind wir von Anfang an stark involviert. Aber auch bei den therapeutischen Wohngruppen wird jedes Kind psychologisch begleitet, da ist nur der zeitliche Ablauf etwas anders.

Mit welchen Belastungen kommen die Kinder vor allem ins Salberghaus?
Wir haben hier im stationären Bereich überwiegend traumatisierte Kinder. Das kann verschiedene Hintergründe haben – emotionale oder körperliche Vernachlässigung, Gewalterfahrungen, teilweise Missbrauchserfahrungen oder Alkohol- und Drogenkonsum der Eltern. Dadurch entstehen häufig Entwicklungsdefizite, mit denen die Kinder zu kämpfen haben.

Der Therapieraum: ein Safe Space für die Kinder.

„Wir versuchen, die Eltern-Kind-Interaktion zu fördern“


Das Salberghaus betreut schwerpunktmäßig kleine Kinder. Inwiefern können Kinder in dem Alter schon kommunizieren, was sie fühlen oder was sie bewegt?
Wir versuchen, den Kindern die Emotionen zu spiegeln, indem wir sie verbalisieren und zum Beispiel sagen: Jetzt warst du wütend. Oder wir schauen Bücher zu dem Thema an. Da passiert auch viel auf der symbolischen Ebene im Spielerischen.

Sie hatten die Spieltherapie vorhin schon kurz erwähnt. Wie läuft sie konkret ab?
Die Spieltherapie ist sehr stark an den Entwicklungsstand des Kindes angepasst. Grundsätzlich soll der Therapieraum ein Safe Space für das Kind sein. Zu Beginn steht immer der Beziehungsaufbau im Vordergrund. Im weiteren Verlauf zeigen die Kinder dann beispielsweise im symbolischen Spiel mit Figuren, welche Themen sie beschäftigen. Manche Themen setzen wir auch bewusst und basteln mit älteren Kindern einen Wutvulkan oder bauen mit ängstlichen Kindern eine sichere Höhle.

Inwiefern holen Sie die Eltern mit ins Boot?
Das gestaltet sich ganz unterschiedlich, denn manche Eltern sind einfach sehr stark mit ihren eigenen Themen beschäftigt. Wenn wir aber Besuchsbegleitungen oder Elterngespräche haben, versuchen wir, die Eltern-Kind-Interaktion zu fördern, und klären über den Entwicklungsstand und die Bedürfnisse der Kinder auf. Wenn sich die Perspektive einer Rückführung in die Familie entwickelt, ist die Elternarbeit natürlich intensiver.

Eine abschließende Frage: Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptziele Ihrer Arbeit?
Die Kinder bei uns haben sehr häufig eine Bindungsstörung – in verschiedenen Ausprägungen. Das ist ein Prozess, den man sehr gut begleiten muss. Das braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Wichtig ist es, den Kindern immer wieder korrigierende Beziehungserfahrungen anzubieten. Dieser Beziehungsaufbau ist eines unserer Hauptziele. Die Kinder sollen erleben, dass die erwachsene Person dableibt und dass sie sich unabhängig von ihrem eigenen Verhalten auf die erwachsene Person verlassen können. Außerdem wollen wir die Kinder unterstützen, soziale Kompetenzen zu erwerben, und ihnen den Raum geben, Erlebtes zu verarbeiten. Ob und wie der genutzt wird, ist dem Kind dann freigestellt.

Interview und Foto: Nicole Stroth/KJF